Kürzlich hatte ich mich mit meinen eigenen Gefühlen zum Thema Kritik auseinandergesetzt, heute möchte ich Euch meine beste und meine schlechteste Kritik vorstellen. Dabei danke ich sowohl dem einen wie auch dem anderen, dass sie den Mut gefunden haben, ihre Meinung zu vertreten. Es ist ein Privileg unserer Demokratie (hier zitiere ich Vie aus Q-FINITY) dass wir auch Meinungen akzeptieren, die uns nicht gefallen und dass wir solche veröffentlichen dürfen, die uns gut gefallen haben. Ich fange mal mit der guten Beurteilung an.

Kundenrezension

Blauauge-710
5 von 5 Sternen
Komplex – durchdacht – mitreißend – kein Buch für nebenher, es erfordert Aufmerksamkeit beim Lesen
Bewertet in Deutschland am 14. April 2026

«Q-finity – Die Zeit findet einen Weg» von Pete Muller beginnt wie ein klassischer Thriller und entwickelt sich schnell zu etwas deutlich Größerem. Ein Mordauftrag, sauber geplant, kühl ausgeführt, doch schon kurz darauf gerät die Realität ins Wanken. Was zunächst wie ein präzise konstruierter Krimi wirkt, öffnet sich Schritt für Schritt in Richtung Science-Fiction, Verschwörung und philosophisches Gedankenspiel.

Im Zentrum steht kein typischer Held, sondern ein Mann, der in ein System hineingerät, das er selbst nicht vollständig versteht. Genau das macht den Reiz aus. Der Leser entdeckt die Zusammenhänge parallel zur Figur. Es geht um Macht, Kontrolle und die Frage, was passiert, wenn Technologie Grenzen überschreitet, die besser unangetastet bleiben sollten.

Das große Thema des Romans ist Zeit im Allgemeinen. Sie ist keine lineare Abfolge, sondern etwas Formbares, etwas, das manipuliert werden kann. Muller verknüpft diese Idee mit Quantenphysik, künstlicher Intelligenz und geopolitischen Interessen. Das wirkt ambitioniert und ist es auch. Der Autor denkt sehr groß. Dabei verliert er sich gelegentlich in Erklärungen, bleibt aber stets verständlich genug, um nicht abzuschrecken.

Stilistisch ist das Buch klar und sachlich gehalten. Keine sprachlichen Spielereien, keine überbordende Bildsprache. Stattdessen präzise Szenen, viele Dialoge und ein Fokus auf Ideen. Das sorgt für Tempo, verlangt aber auch Aufmerksamkeit. Wer hier nebenbei liest, wird schnell den Anschluss verlieren.

Besonders stark sind die Figurenkonstellationen. Auf der einen Seite Menschen, die von Visionen getrieben sind, auf der anderen jene, die beginnen, die Konsequenzen zu hinterfragen. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, das weit über einen reinen Plot hinausgeht. Es geht nicht nur darum, was passiert, sondern auch darum, ob es überhaupt passieren darf.

«Q-finity – Die Zeit findet einen Weg» ist kein einfacher Thriller für zwischendurch. Es ist ein Roman für Leser, die Lust auf große Ideen haben und bereit sind, sich darauf einzulassen. Wer reine Action sucht, wird hier nicht vollständig bedient. Wer jedoch ein intelligentes, vielschichtiges Gedankenspiel schätzt, bekommt einen Stoff, der noch nachwirkt.

Und hier nun die Bewertung, die mir nicht so gut gefallen hat:

Aus Deutschland

Helmut L.

Bewertet in Deutschland am 14. März 2026

Der Einstieg in diesen Roman verspricht eigentlich Hochspannung: Ein Auftragsmord im Hamburger TransOcean-Building, ein mysteriöser Auftraggeber namens „a.friend“ und ein Kopfgeld in Form eines 120-Millionen-Euro-Jackpots. Doch leider bleibt die Spannung bereits im ersten Absatz auf der Strecke.

Sprachliche Monotonie (Die „Ich-Krankheit“)
Der Schreibstil ist das größte Hindernis dieses Werkes. Fast jeder Satz folgt dem gleichen, abgehackten Rhythmus: „Ich gehe hinein.“, „Ich muss keinen Knopf drücken.“, „Ich bin safe.“. Diese Stakkato-Sätze ohne jede Variation wirken wie ein polizeiliches Vernehmungsprotokoll oder eine schlecht übersetzte Bedienungsanleitung. Es entsteht kein Lesefluss, sondern ein mechanisches Abarbeiten von Handlungen, das selbst einen Groschenroman sprachlich brillant erscheinen lässt.

Das „Infodumping“-Dilemma
Anstatt Atmosphäre zu schaffen, wird der Leser mit unnötigen Fakten erschlagen. Mitten in der Vorbereitung auf einen Mord – dem psychologischen Höhepunkt – verliert sich der Autor in einer exakten Auflistung von Eurojackpot-Zahlen inklusive Nachkommastellen. Das ist der Inbegriff von „Tell, don’t show“: Uns wird gesagt, dass es um viel Geld geht, aber wir spüren den Druck nicht. Auch die Aufzählung Hamburger Sehenswürdigkeiten wirkt wie aus einem Reiseführer einkopiert und trägt nichts zur Stimmung bei.

Logik-Lücken in der Charakterzeichnung
Der Protagonist ist psychologisch vollkommen inkonsistent gezeichnet. Einerseits wird er als zitternder Amateur eingeführt, der „mit Schneeschuhen durchs Watt wandert“. Nur zwei Absätze später mutiert er nach den Schüssen zum eiskalten Analysten, der sein Werk als „technisch einwandfreien Prozess“ feiert.

Besonders schwer wiegt der logische Fehler in der Motivation: Der Täter hat die 120 Millionen bereits gewonnen. Die Behauptung, er sei nun „alternativlos“ gezwungen zu morden, ist bei dieser Summe (mit der man untertauchen oder sich Armee-Stärke-Schutz kaufen könnte) schlichtweg unglaubwürdig.

Fazit
Die Grundidee hat Potenzial, aber die Umsetzung ist handwerklich leider sehr schwach. Dem Text fehlt es an Rhythmus, psychologischer Tiefe und erzählerischer Eleganz. Wer einen atmosphärischen Thriller sucht, wird hier enttäuscht – man bekommt lediglich das spröde Skript eines Thrillers geliefert

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