Kapitel drei.

USA, Texas

Plötzlich finden wir uns in Texas wieder, die Tech-Milliardärin Kendra Lewis mit ihrem Entwicklungsteam führt. Es geht um Materialien, Gewicht, Geschwindigkeit und Kühlung. Produktentwickler Mitch Meyers erläutert die Möglichkeit, leichtere und kostengünstigere Werkstoffe einzusetzen. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Für den Antrieb müssen die Wasserstofftanks auf rund minus 253 Grad Celsius heruntergekühlt werden. Die Sicherung dieser kryogenen Temperaturen ist technisch hochkomplex und erfordert ein präzises Zusammenspiel aus passiver Isolierung, aktiver Kühlung und ausgefeiltem thermischem Management.

Genau in diesem Moment erhält Kendra Lewis eine Nachricht, die aus einer anderen Welt zu stammen scheint.

Noch wissen wir nicht, wer Kendra wirklich ist und ob es eine Verbindung zwischen ihr, Oliver und Michel gibt. Aber wir spüren bereits, dass sie unbeirrt ihren Weg geht, über nahezu unbegrenzte Mittel verfügt und sich von Emotionen kaum beeindrucken lässt. Nur Nash scheint Zugang zu dieser rationalen, erfolgsgetriebenen Multi-Milliardärin zu finden.

Wenn Kendra ein Mann wäre, würde sie Bill oder Jeff oder Elon heißen.

Antworten auf alle Fragen finden Sie [hier].

Als Kendra die E-Mail erhielt, schenkte sie sich sofort einen Bourbon ein. »Fuck. Ich habe es gewusst.« Nach all den Jahren hatte das Warten endlich ein Ende. Diese Botschaft würde alles verändern.
Die Adresse, 314159265358979323846@eiaifgzcf.io, basierte auf der Zahl Pi und wurde von Kendra persönlich generiert.
Was als Post-Box im Tor-Netzwerk entstand, wuchs über die Jahre zu einem Kommunikationssystem heran, dessen Sicherheit es mit CIA-Systemen aufnehmen konnte.

Der entscheidende Unterschied: Dieses Postfach war keine gewöhnliche Mailbox, es war eine Empfangsstation für Nachrichten aus einer Quelle, die jenseits aller vorstellbaren Dimensionen von Raum und Zeit lag.
Kendra hatte das Postfach noch nie aktiv aufgerufen. Warum auch? Sie würde informiert werden, sobald eine Nachricht eintraf. So wie jetzt.
Wette gewonnen! Wie so oft — ein voller Erfolg.
Kendra war de facto eine der reichsten Frauen der Welt.

Sie war so etwas wie die große Schwester ihrer Tech-Bros. Wenn die Bubis genug gespielt hatten, sammelte Kendra sie ein und brachte sie nach Hause.
Ihr Vermögen hatte sie von ihrem Vater geerbt, dem großen J. R. Lewis. Sie hatte es vervielfacht, aus eigener Kraft. Sie verstand sich als Architektin der Zukunft, die tagtäglich ihre Visionen schärfte und mit ihrer Intuition jede Grenze sprengte.

»Ich verhandle mit der Physik, nicht mit Befindlichkeiten«, hatte sie einmal zu einem Investor gesagt. »Entweder du steigst ein oder du verpisst dich aus meinem Luftraum.«
Kendra war nicht nur Unternehmerin, sie war die Frau, die die Träume der Science-Fiction Wirklichkeit werden ließ.
Mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen verwirklichte sie ihre Visionen. Die Entwicklung von E-Coptern, autonom fliegenden Drohnen, der Einsatz wieder verwendbarer Trägerraketen für die Raumfahrt und der

Aufbau KI-gestützter Datenverarbeitungs- und Informationssysteme waren nur einige ihrer Leuchtturmprojekte.
»Wo ich bin, ist vorne — der Rest kann hinter mir herlaufen.«
Um ihren Vorsprung zu halten, war ihr jedes Mittel recht. Sie gab nie auf. Dank ihrer analytischen Denkweise erkannte sie mögliche Hindernisse und Gefahren früher als andere. Sie reagierte sie schnell, effektiv und rücksichtslos. Kendra war eine Meisterin darin, Rückschläge in Erfolge umzumünzen.

Das hatte sie mit dem amtierenden US-Präsidenten, Reginald Brewster, gemeinsam.
Um direkten Durchgriff auf ihre Mitarbeiter zu haben, war sie eine Anhängerin flacher Hierarchien. Bei ihr gab es nur drei Stufen: Kendra, Gott und alle anderen.
Schlüsselpositionen besetzte sie grundsätzlich selbst. Sie vertraute ihren Mitarbeitern vorbehaltlos und arbeitete eng und direkt mit ihnen zusammen. Für sie machte es keinen Unterschied, ob es sich um einen

Mann, eine Frau oder irgendwas dazwischen handelte. Solange sie ihre Visionen vorantrieben, hatten sie einen Platz an der Sonne und wurden großzügig entlohnt.
»Wenn ihr in meinem Boot sitzt, ist es mir egal, ob ihr Männlein, Weiblein, eine Katze oder eine verfickte KI seid. Hauptsache, ihr rudert in die richtige Richtung.«
Wenn sie erkannte, dass ein Ruderer nicht mehr über das erforderliche Mindset verfügte, wurde er von einer Sekunde auf die andere gefeuert.

»Du brauchst dich gar nicht mehr hinzusetzen, pack deine Sachen und verschwinde«, sagte sie zu einem anerkannten Physiker, der ihr in einem Meeting widersprochen hatte.
Die erste E-Mail dieser Art hatte Kendra vor gut zwei Jahren erhalten. Für sie war es das unglaublichste Ereignis seit Menschengedenken. Besser als das Rad, besser als die erste Mondlandung und fast so gut wie Bourbon.
Danach folgte eine Flut an Informationen, die sie für den Ausbau ihres Imperiums einsetzte.

Sie erhielt Daten, die es ihr ermöglichten, Einfluss auf die wichtigsten Machtpositionen zu nehmen.
Jetzt sah es wieder nach einem ›Vision-Day‹ aus. Die Nachricht auf ihrem Smartphone konnte alles auf den Kopf stellen. Diese E-Mail hatte das Potenzial, das Leben auf diesem Planeten entscheidend zu verändern.
Kendra hielt gerade ein Meeting mit ihrer Antriebscrew bei RedSky Dynamics ab. Es ging um Materialien, Gewicht, Speed und Kühlung.

Mitch Meyers referierte über die Möglichkeiten, leichtere und kostengünstigere Materialien zu verwenden.
Die Schwierigkeit bestand darin, dass für den Antrieb die Wasserstofftanks auf rund minus 253 Grad heruntergekühlt werden mussten.
Die Sicherstellung dieser kryogenen Temperaturen war ein technisch hochkomplexer Prozess, der eine Kombination aus passiver Isolierung, aktiver Kühlung und thermischem Management erforderte.

Mitch stellte gerade über eine komplexe Materialkombination aus Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen und Aluminium-Lithium-Legierungen vor, um die notwendigen Temperaturen für flüssigen Wasserstoff stabil zu halten, als Kendra abrupt aufstand, ihre Zigarette mit einem Zischen in ihrer Kaffeetasse versenkte und den Raum verließ. Ihre Unterlagen, ihr Wallet, ihre Tasche und Nash ließ sie zurück.
»Ich muss umgehend weg, Mitch, tut mir leid.«

In der Tür blieb sie noch einmal stehen, drehte sich um und sagte: »Das habt ihr gut gemacht, Jungs. Wir sprechen morgen um zehn weiter.« Dann sah sie ihren Windhund an: »Und du, Nash, brauchst du eine Extraeinladung?«
Das Nächste, was die Ingenieure wahrnahmen, war der Geruch von verbranntem Gummi, der entstand, wenn Kendra einen Blitzstart mit ihrem Sportwagen hinlegte. Zu Hause stürmte sie in ihr Arbeitszimmer, klappte ihr biometrisch gesichertes MacBook auf und las die E-Mail ein weiteres Mal.

Als sie die Formel sah, musste sie schlucken. Sie füllte Nash frisches Wasser in seinen Napf, ließ sich in einen Bürosessel fallen und studierte die kryptische Zeichenfolge. Entweder hatte sich jemand einen Scherz erlaubt, oder es steckte mehr dahinter — etwas, das sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen konnte.
Sie zündete sich eine Zigarette an und murmelte: »Was haben wir denn da?« Nash sah sie mit geneigtem Kopf an und gähnte. »Eine unendliche Reihe … konvergiert gegen ein Integral. Klassisch. Aber diese Variablen …?«

Ihre Augen fixierten die griechischen Buchstaben. »Alpha, Beta, Gamma, Delta. Das sind keine Konstanten. Das sind Platzhalter. Eine offene Frage. Eine Aufforderung.«
Sie lehnte sich zurück und blies den Rauch an die Decke.
»Das ist kein mathematischer Beweis. Das ist ein Fahrplan.«
Kendra wusste, dass in Mathematik und Physik mit solchen Grenzwerten gearbeitet wurde, um Konvergenzen zu verstehen oder um komplexe Phänomene zu modellieren, die in unendlichen Skalen auftreten.

Entweder hatte sich jemand einen Scherz erlaubt, oder es steckte mehr dahinter — etwas, das sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen konnte.
Sie zündete sich eine Zigarette an und murmelte: »Was haben wir denn da?« Nash sah sie mit geneigtem Kopf an und gähnte. »Eine unendliche Reihe … konvergiert gegen ein Integral. Klassisch. Aber diese Variablen …?«
hre Augen fixierten die griechischen Buchstaben. »Alpha, Beta, Gamma, Delta. Das sind keine Konstanten. Das sind Platzhalter. Eine offene Frage. Eine Aufforderung.«

Sie würde Hilfe benötigen. Sie musste dringend mit Dr. Jane Williams vom MIT sprechen.
Jane war die einzige Person auf der Welt, der Kendra von ihrem geheimen Postfach erzählt hatte — und die ihre Vision von der Entwicklung eines Supercomputers kannte.
Jetzt brauchte sie Jane. Am liebsten sofort. Entgegen ihrer Natur, jemals um eine zweite Meinung zu bitten, griff sie zum Telefon. Dies hier war zu wichtig, um es alleine auszubrüten. Sie wählte die Nummer und es klingelte nur ein Mal.

»Jane«, fiel Kendra ohne Begrüßung mit der Tür ins Haus, »schmeiß alles hin. Ich schicke dir was. Das musst du dir ansehen. Es kam über das spezielle Postfach. Du hast eine Stunde.«
Nach einer halben Stunde rief Jane zurück. »Wir müssen uns sehen, Kendra. Diese Informationen sind …« Jane suchte nach Worten. »Verwirrend. So als wären sie nicht von dieser Welt. Lass uns das persönlich und nicht am Telefon besprechen.«
»Alles klar, Jane«, bestätigte Kendra knapp. »Ich mache mich auf den Weg.«

Fortsetzung folgt.

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